Seifenkiste

Im Jahre 2000 bekamen wir zum ersten Mal eine recht überraschende Einladung zu einem Seifenkistenrennen, veranstaltet durch die Jugendfeuerwehr Löhne-Obernbeck. Die zunächst als Pilotprojekt durchgeführte Veranstaltung überzeugte durch eine große Teilnahme der verschiedenen Jugendfeuerwehren aus dem Kreis Herford und bereitete allen Teilnehmern, unabhängig ob sie aktiv am Renngeschehen oder indirekt als Zuschauer dabei waren, jede Menge Spaß.

Die Rennstrecke wurde mittlerweile gewechselt, da die erste Wahl der Strecke sich als nicht steil genug erwies. Die neue Wahl fiel auf den "Unteren Eggeweg", welche sich bis heute als optimal erwies. Das Seifenkistenrennen ist nach und nach zu einem festen Termin in dem Kalender vieler Jugendfeuerwehren geworden. Der erste Platz, verbunden mit dem Wanderpokal, ist bis heute sehr begehrt unter den Jugendfeuerwehren, neben denen auch Privatleute und andere Vereine teilnehmen.

Seifenkiste

Nachdem wir im Geburtsjahr der Veranstaltung lediglich mit einer geliehenen Seifenkiste teilnehmen konnten, entschlossen wir uns eine eigene zu bauen. Um Kosten zu sparen, ersteigerten wir in einem bekannten Online-Auktionshaus ein Kettcar, aus dessen Rahmen wir eine Seifekiste bauen wollten.

Nach einigen Überlegungen zur Ausführung unsere Ideen begannen wir das gesamte Gestell ein ganzes Stück zu verlängern, so dass es auch etwas größeren Personen möglich war in der Kiste platz zu nehmen. Im Anschluss folgte ein Achs- und Reifenumbau auf luftbereifte Seifenkistenräder. Darauf folgten die Holzverkleidung und die "Verfeinerung".

 
Seifenkiste

Unschwer zu erkennen ist, dass der damalige Vorstand, der hauptsächlich mit der "Verfeinerung" beschäftigt war, sich von eine bestimmten Trends aus amerikanischen Kinofilmen beeinflussen lassen hat. So betrug die Bodenfreiheit letztendlich 5 cm, Renngitter zeichneten die Front, der böse Blick dominierte und auch das Auspuffrohr durfte nicht fehlen.

Leider entwickelte sich der Hingucker am Streckenrand auf der Stecke als nicht sonderlich sportlich. Schon das Verlassen der Startrampe bereitete bereits einige Schwierigkeiten. Als Folge dessen mussten zunächst die Seitenschweller demontiert werden. Das sollte aber nicht das größte unserer Probleme werden. Sicherlich gilt unser folgendes Problem in gewissen Kreisen als Kunst und wird von dem entsprechenden Publikum mit enormem Staunen bewundert, allerdings führte unsere Kurvenfahrt auf nur zwei Rädern eher zu Fluchtwellen der in der Kurve stehenden Zuschauer.

 
Seifenkiste

Aus diesem Grunde versuchten wir dieses kleine Defizit in der Kurvenlage zum Rennen im nächsten Jahr zu beheben. Mit einer Achsverbreiterung an der Hinterachse gingen wir im folgenden Jahr an den Start. Doch die sich zunächst andeutende Verbesserung verlief sich nach den ersten Rennläufen. Das Material gab nach und die Achse bog sich durch.

 
Seifenkiste

Nach langen und beachtlich intensiven Überlegungen kamen wir, nach etwa einem halben Jahr, zu dem Entschluss: Wir kommen nicht um eine neue Seifenkiste herum! Unser erster Weg zum Ziel war ein in der Bevölkerung äußerst populäres Online-Auktionshaus. Allerdings lagen nahezu alle Angebote außerhalb der Reichweite unserer Finanzen.

Deshalb beschlossen wir, mit kleinen Abstrichen, zum wiederholten Male eine Kiste selbst zubauen. Die mechanischen Elemente bestellten wir beim "Deutschen Seifenkisten Derby". Ein Betreuer, Kay Janßen, organisierte uns die hölzernen Bauteile und half uns beim Zuschnitt der Boden- und Deckplatte. Ab diesem Zeitpunkt war unser eingebildetes Können gefragt. Zunächst montierten wir die mechanischen Bauteile auf der Bodenplatte, welches noch die geringste Herausforderung an uns stellte. Allerdings war es bereits in diesem Bauabschritt sehr wichtig, die Bohrungen äußerst präzise zu setzen, da dies während der Fahrt über die Spurtreue entschied.

 
Seifenkiste

Nun wurde es schon kniffeliger. Es galt die Deckplatte exakt an die Bodenplatte anzupassen. Die größten Probleme ergaben sich bei der Bugspitze, da diese einfach nicht zwischen die beiden Platten passen wollte. Aber auch diese Hürde konnten wir meistern. Auch der Rest der Spannten fügte sich nach Androhung körperlicher Gewalt in das Gesamtgefüge ein. Außerdem passten wir den verstellbaren Sitz ein. Auf dem Foto ist nun der fertige Rumpf der Seifenkiste zu sehen. Einzig und allein die Seitenteile fehlen noch.

 
Seifenkiste

Abschließend musste die Seifenkiste "nur noch" mit Seitenteilen und einer entsprechenden Lackierung versehen werden. Die Seitenteile haben wir zunächst nur geschraubt, was sich aber als nicht sonderlich stabil herausstellte. Aus diesem Grund tackerten wir die Seitenteile mit einem Presslufttacker an. Es folgte der optisch wichtigste Punkt- die Lackierung. Eine kleine Meinungsumfrage ergab, dass die Farbe blau als angenehm empfunden wurde. Die Frage nach einem spezifischen Blauton beantwortete uns die das erdrückende Sortiment eines bekannten Bünder Baumarktes. Die Wahl fiel auf Enzianblau. Jedoch griffen wir, bedingt durch das semioptimal sortierte Baumarktregal, zur Sorte "Seidenmatt". Dieser Fehlgriff gipfelte darin, dass wir dem Baumarkt noch einen Besuch abstatten mussten, um die Sorte "Hochglanz" zu kaufen. Nach sage und schreibe vier Lackiergängen stellte uns das Ergebnis endlich zufrieden.

 

Zu guter Letzt fehlte noch das abschließende Design. Nach kurzen Überlegungen entschieden wir uns für eine gelbe Beklebung. Allerdings bereitete uns der Preis noch einige Kopfschmerzen. Jedoch konnte einer unserer Betreuer, Heiko Janßen, durch seine Iniative auch dem Abhilfe schaffen. Die Firma "Horn Werbedesign" (Bünde) erklärte sich schließlich bereit, das Material und Verarbeitung zu sponsern. Im Gegenzug brachte die Firma ihr Logo auf dem vorderen Teil der Seifenkiste an. Nun war unsere Kiste bereit für ihre Entjungferung.

Am 16.9.2006 war es dann so weit, das erste Rennen stand bevor. Die Fahreigenschaften waren im Vergleich zu unsere alten Seifenkiste nahezu traumhaft- stabile Kurvenlage und die Beschleunigung war schon nicht schlecht. Leider mussten wir uns mit der 13. Platzierung zu Frieden geben, da die "Alten Hasen" einmal mehr durch Fachwissen und Erfahrung glänzten. Doch mit vielen Tipps und einer durchaus wettkampffähigen Seifenkiste haben wir Blut geleckt und freuen wir uns schon auf das nächste, hoffentlich erfolgreichere, Rennen.
In der Zwischenzeit wurden einige der Tipps in die Tat umgesetzt und die Kiste ist erheblich schwerer geworden.
Hoffen wir dass die Konkurrenz schläft!

Und so sieht unser Schmuckstück aus:
Seifenkiste Jf Enger