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An dieser Stelle geht ein besonderer Dank an die Neue Westfälische (Kürzel NW) und das Westfalen-Blatt (Kürzel WB) für die Presseberichte und die gute Zusammenarbeit. Vielen Dank!

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Feuerwehr Enger - Aktuelles

Unwetter richtet große Schäden in Bünde und Kirchlengern an

NW 31.07.2014

Überflutete Straßen und Keller / Bahnstrecke bis Freitag gesperrt, "Aqua Fun" geschlossen Bünde/Kirchlengern. So viel Regen fällt selten in so kurzer Zeit. Bis zu 95 Liter Regen pro Quadratmeter prasselten am Dienstagabend in Bünde und Kirchlengern vom Himmel. Hunderte Keller standen unter Wasser, teilweise ist der Strom ausgefallen. Der Bahnverkehr zwischen Bünde und Kirchlengern wird voraussichtlich bis Freitagmorgen unterbrochen - das Gleisbett ist unterspült worden. Das Freibad "Aqua Fun" bleibt wegen Schlamm im Becken und Schäden an der Technik vorerst geschlossen.

VON ANNIKA FALK UND BJÖRN KENTER

"Ich bin jetzt 20 Jahre bei der Feuerwehr, aber so was habe ich noch nicht erlebt", sagt Oberbrandmeister Frank Stenzel vom Löschzug Hunnebrock. Mit seinen Kameraden pumpte er in der Nacht Keller leer und sperrte die Kurt-Schumacher-Straße sowie die Straße "Am Strangbach", die beide komplett überflutet waren. In Hunnebrock wurde eine Tiefgarage bis unters Dach geflutet, drei Autos sind total beschädigt.

Besonders hart getroffen hat es Familie Becker an der Zitternstraße in Spradow. Wie eine Flutwelle rollte das Wasser vom Eselsbach an, zerschlug das Kellerfenster und zerstörte Heizung, Holz- und Polstermöbel. "In zehn Minuten war unser Wohnzimmer und die Küche überflutet", sagt Kerstin Ramhorst-Becker, die nun auf Unterstützung der Stadt hofft. Denn eine Elementarversicherung haben die Anwohner der Straße wegen der Nähe zu zwei Bächen nicht. Familie Becker rechnet mit einem Schaden von bis zu 200.000 Euro.

Insgesamt waren 240 Feuerwehrleute aus dem Bünder Stadtgebiet sowie aus Hiddenhausen, Rödinghausen, Spenge, Herford, Enger und Vlotho zu mehr als 200 Einsätzen unterwegs. Unterstützung kam vom Technischen Hilfswerk (THW) und vom Deutschen Roten kreuz (DRK), die sich um die Verpflegung der Einsatzkräfte kümmerte. "Wir waren bei zahlreichen vollgelaufenen Kellern", sagt Rüdiger Meier, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bünde. "Wir mussten aber priorisieren, sind erst zu denen gefahren, deren Keller bis unters Dach unter Wasser stand und mussten die, die nur fünf Zentimeter Wasser im Keller hatten, vertrösten." In der Lohheide ist ein Baum umgestürzt, die Straße wurde vorerst nur gesperrt, an anderer Stelle waren die helfenden Hände wichtiger. "Der Baum muss dann vom Bauhof oder dem Besitzer entfernt werden", so Meier.

Nicht nur bei der Feuerwehr sorgte das Unwetter für zahlreiche Notrufe und Einsätze, auch die Polizei war im gesamten Kreisgebiet unterwegs. Auf der Leitstelle der Polizei Herford gingen in wenigen Stunden über 250 Notrufe ein. In sechs Stunden mussten die Beamten zu 49 Einsätzen ausrücken. Überschwemmte Straßen, umgestürzte Bäume und heraus gespülte Gullydeckel führten zu Gefahrenstellen, die abgesichert werden mussten. An der Südlenger Straße meldeten Anwohner kurz nach Mitternacht, dass die Bankette Richtung Else weggeschwemmt worden war. Die Beamten sicherten die Stelle ab. Bis in die Morgenstunden waren mehrere Straßen unpassierbar.

Das Unwetter sorgte zudem für Behinderungen im Bahnverkehr. Die Strecke zwischen Kirchlengern und Bünde wurde teilweise unterspült. "Die Else war dieses Mal harmlos, aber die Nebenflüsse wie hier der Eselsbach sind sehr schnell angestiegen", sagt Stadtbrandinspektor Rüdiger Meier. Der Pegel der Else stieg zwischen 19 Uhr und den frühen Morgenstunden von 20 auf 135 Zentimeter. Zudem haben entwurzelte Bäume die Gleise und Oberleitungen stark beschädigt. Die Deutsche Bahn prüfte zwar, ob die Gleise wieder belastbar sind. Die Strecke muss jedoch für Reparaturarbeiten bis Freitagvormittag gesperrt bleiben, danach soll sie zumindest wieder einspurig befahrbar sein. Betroffen davon sind im Fernverkehr die IC-Linie zwischen Berlin und Amsterdam/Münster. Die Züge werden über Bielefeld, Hamm und Münster umgeleitet und haben natürlich lange Verspätungen. Der Halt in Bünde entfällt. Auch viele Züge im Regionalverkehr sind von den Schäden betroffen. Zwischen Löhne und Melle war in beiden Richtungen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

In Kirchlengern war besonders die Straße "Im Obrock" von Starkregen und Sturm betroffen. Seit Dienstagabend war die Feuerwehr im Einsatz, um vollgelaufene Keller von Firmen und Privathaushalten von den Wassermassen zu befreien. "Bei der Firma Nolte-Lacke bestand kurzzeitig eine GSG-Lage (Gefährliche Stoffe und Güter), sodass wir die GSG-Gruppe der Stadt Herford angefordert haben", sagt der stellvertretende Einsatzleiter Dirk Erdbrügger von der Löschgruppe Kirchlengern-Mitte. "Das ist aber zum Glück glimpflich abgelaufen." Um 19.34 Uhr erreichte seine Truppe der erste Alarm, der zweite Schwung folgte zwei Stunden später. "Dann gingen die Faxe von der Leitstelle praktisch im Minutentakt ein", so Erdbrügger. Hilfe erhielten die Kirchlengeraner von mehreren benachbarten Löschgruppen und dem THW, das aus Herford und Lemgo angereist war.

Zusammen mit dem DRK waren rund 140 Kräfte im Einsatz, die bis zur Erschöpfung arbeiteten. "Bis zum Mittag hatten wir über 130 Einsätze abgearbeitet", so Dirk Erdbrügger. "So eine Situation habe ich in Kirchlengern noch nie erlebt."

Info: Der Regen machte auch vor dem "Aqua Fun" in Kirchlengern nicht Halt. Der hinter dem Freibad fließende Markbach trat wegen der heftigen Regengüsse weit über das Ufer und richtete erhebliche Schäden an. Der Bach überflutete das gesamte Beckengelände um fast einen Meter, was dazu führte, dass die Kellerräume des Bades voll liefen. Dadurch seien große Schäden entstanden, teilt die Gemeinde mit. Außerdem haben sich erhebliche Schlammmassen im Beckenbereich abgesetzt. Die im Kellerbereich vorhandene Technik (Pumpen- und Filteranlagen) wurde komplett überflutet. Wie die Gemeinde mitteilt, ist das Ausmaß des Schadens noch nicht abzusehen. Das "Aqua Fun" muss in den nächsten Tagen geschlossen bleiben. Noch sei nicht abzuschätzen, wann es wieder eröffnet werden kann. (faa)

NW 2014-07-31

Der Regen setzte ein von mehreren Firmen genutztes Gelände am Obrock unter Wasser.
Zahlreiche Einsatzkräfte kämpften gegen die Wassermassen. Auto in den Fluten | FOTO: KENTER