Aktuelle News und Presseberichte der Löschgruppe Enger-Nord

Hier finden Sie aktuelle News der und Presseberichte über die Löschgruppe Enger-Nord als Blog aufgelistet.

An dieser Stelle geht ein besonderer Dank an die Neue Westfälische (Kürzel nw) und das Westfalen-Blatt (Kürzel wb) für die Presseberichte und die gute Zusammenarbeit. Vielen Dank!

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02.05.2017 
Küchenbrand 

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Feuerwehr evakuiert Halle von Chemie-Firma

wb 15.10.2009

Besenkamp (EA). Ein Fehlalarm bei der Besenkamper Firma Meyer-Chemie hat gestern ungeahnte Folgen gehabt. Die CO2-Löschanlage war defekt und ließ sich nicht mehr abschalten. Drei Tonnen des giftigen Gases traten aus. Alle Mitarbeiter mussten die Halle verlassen.

Obwohl es nicht brannte, wurde gegen 12.09 Uhr Alarm ausgelöst. Da in der Produktionshalle der Firma leicht entzündliche Flüssigkeiten wie Lösungsmittel, Reinigungsmittel, Abbeizer, Grundierungen und Frostschutzmittel abgefüllt werden, ist dort eine spezielle CO2-Löschvorrichtung installiert. Diese gibt im Brandfall das geruchslose Gas ab und erstickt somit die Flammen.

Das abgegebene Kohlenstoffdioxid ist in höheren Konzentrationen für Menschen hochgiftig, daher musste der betroffene Bereich umgehend geräumt werden. Sobald die Löschanlage den Betrieb aufnimmt, wird automatisch ein Notruf an die die Feuerwehrleitstelle Eilshausen abgesetzt. Diese informierte die Engeraner und Spenger Rettungskräfte.

"Es liegt ein Störfall gemäß Störfallverordnung vor. Deshalb wurden auch die Bezirksregierung und das Innenministerium in Kenntnis gesetzt", erklärte Einsatzleiter Heinz Jürgen Tomann von der Freiwilligen Feuerwehr aus Enger. Polizeibeamte sperrten den Bereich rund um die betroffene Halle weiträumig ab. Die 45 Mitarbeiter des Besenkamper Chemie-Unternehmens, die in der Halle tätig waren, mussten ihre persönlichen Gegenstände zurücklassen. Für sie war der Arbeitstag früher beendet als geplant.

Neben mehreren Löschfahrzeugen waren die Gerätewagen Messtechnik und Atemschutz aus Eilshausen und Herford im Einsatz. Mit Atemmasken bahnten sich die Feuerwehrleute ihren Weg in die mit Kohlenstoffdioxid geflutete Halle.

"Bei den Messungen wurde eine CO2-Konzentration von 9,9 Volumenprozent festgestellt. Ein sehr hoher Wert", berichtete Klaus Wöhler, Pressesprecher des Kreises Herford. Ab einem Atemluftgehalt von 8,0 Prozent treten beim Menschen Krämpfe auf, man wird bewusslos. Der Tod tritt nach nicht mal einer Stunde ein.

Als Problem bei dem Einsatz stellte sich heraus, das der Schieber am Gastank sich nicht schließen ließ und somit immer mehr Kohlendioxid austrat. Durch den extrem hohen Druckabfall, der enstand, während das Gas im Zuge des vermeintlichen Löschvorgangs abgelassen wurde, hatte zu einem extremen Temperaturabfall geführt, so dass die Zugangsventile zum Kohlendioxidtank komplett einfroren. Eine manuelle Schließung war zu dem Zeitpunkt daher nicht möglich.

Die für die Wartung der CO2-Vorrichtung verantwortliche Firma wurde benachrichtigt und entsandte Mitarbeiter, um den Einsatzkräften vor Ort Hilfestellung zu geben. Der Zugang des Tanks zu den Löschleitungen konnte gegen zirka 15 Uhr geschlossen werden. Das noch in den Anlage befindliche Kohlenstoffdioxid wurde abgepumpt.

Ein Hochleistungslüfter half, das Gas aus der Produktionshalle zu blasen. Drei von sechs Tonnen CO2 entwichen aus dem Behälter. Laut Wöhler bestand für die nähere Umgebung trotz der ausgetretenen Menge keine unmittelbare Gefahr. Personen wurden nicht verletzt und es gab keinen messbaren Sachschaden. Die Feuerwehr gab den Bereich am späten Nachmittag gegen 16.30 Uhr wieder frei. Die Ursache des Defekts ist weiterhin unklar. 

CO2-Gefahren

Bei Kohlenstoffdioxid (CO2) handelt es sich um ein farb- und geruchloses Gas, das mit einer Konzentration von zirka 0,04 Prozent ein natürlicher Bestandteil der Luft ist. Ab etwa fünf Prozent Kohlenstoffdioxid in der eingeatmeten Luft reagiert der menschliche Organismus mit Kopfschmerzen und Schwindel.

Bei noch höheren Konzentrationen treten beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Blutdruckanstieg, Atemnot und Bewusstlosigkeit (die so genannte CO2-Narkose) auf. Ein Kohlenstoffdioxid-Anteil in der Luft von acht Prozent und mehr führt innerhalb von 30 bis 60 Minuten unweigerlich zum Tod.

 

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Insgesamt 37 Einsatzkräfte der Feuerwehren Enger, Eilshausen und Herford, sowie der Rettungswache in Spenge waren in der Besenkamper Werkstraße vor Ort. Mit allerlei schwerem Gerät rückten sie an, um den Defekt an der Löschanlage bei Meyer-Chemie zu beheben.

 

TEXT: DANIEL SALMON | FOTO: DANIEL SALMON | QUELLE: WESTFALEN-BLATT