Aktuelle News und Presseberichte des Löschzuges Enger-Mitte

Hier finden Sie aktuelle News vom und Presseberichte über den Löschzug Enger-Mitte als Blog aufgelistet.

An dieser Stelle geht ein besonderer Dank an die Neue Westfälische (Kürzel nw) und das Westfalen-Blatt (Kürzel wb) für die Presseberichte und die gute Zusammenarbeit. Vielen Dank!



Überraschung am frühen Morgen: Die komplette Engeraner Feuerwehr wurde für eine Großübung alarmiert

nw 23.01.2006

Enger. Gerade war um Punkt 8.15 Uhr die Sonne aufgegangen. In ihren warmen Betten drehten sich viele seiner Kameraden noch einmal auf die andere Seite und priesen in Gedanken diesen Samstagmorgen als wunderbare Gelegenheit, nach fünf Arbeitstagen endlich wieder einmal ausschlafen zu können. Da ließ es der Engeraner Stadtbrandinspektor Heinz-Jürgen Tomann persönlich im Zentrum von Enger mächtig knallen und schwarzer Qualm waberte aus den Fenstern eines Abrisshauses.

Bevor das Haus mit der Nummer 48 an der großen Bahnhofstraßen-Kreuzung Ende dieser Woche abgerissen wird, wollte es der Chef der Engeraner Blauröcke noch einmal nutzen: als Kulisse für eine groß angelegte Übung für die gesamte Wehr.

Niemand außer Tomann und seinem Stellvertreter Michael Rogowski wusste von der Feuerwehr vorher Bescheid. Bei der Alarmierung schlugen die Männer ihre Bettdecken daher in der Gewissheit zurück, dringend und für einen Ernstfall gebraucht zu werden. Immerhin lag der letzte gemeinsame Dienst am Freitagabend erst wenige Stunden zurück.

Als der Stadtbrandinspektor die präparierten "Brandherde" im Keller des Gebäudes zündete, war der Startschuss gegeben. Kollege Rogowski ließ die Stoppuhren laufen. Binnen weniger Minuten näherte sich rotierendes Blaulicht, der Fahrer des ersten Fahrzeugs bremste vor der Brand-Adresse ab und ließ die Besatzung herausspringen. Die konnten zügig die Jalousien hochziehen, sich für den Gang ins verqualmte Gebäude ausrüsten und die ersten Teile der Löschwasserversorgung aufbauen.

Ein fein säuberlich ausgearbeitetes Papier sollte dann jeder der Einsatzgruppen in den nachfolgenden Fahrzeugen Orientierung geben, was überhaupt vorgefallen war. Denn auch wenn das Gebäude in Hellorange wie eine Flamme gestrichen ist, züngelten sie als Adrenalin treibender Anblick doch nicht wirklich aus allen Öffnungen des alten Hauses.

Zum ausgedachten Szenario gehörte, dass sich vermutlich noch Personen in dem Wohnhaus befinden, denen der Ausweg durch die starke Rauchentwicklung verwehrt ist. Um das zu überprüfen, musste unbedingt ein Trupp unter schwerem Atemschutz hinein. Mit der Axt verschafften sich Jens Hüsemann und Sebastian Huschenbeth den Zugang durch die Haustür, eine Wärmebildkamera sollte ihnen den nötigen Durchblick verschaffen.

Damit es auch für die anderen Einsätzkräfte nicht zu einfach wurde, waren weitere Schwierigkeiten und Komplikationen eingeplant. Die umliegenden Hydranten waren "defekt". Das erforderte den Aufbau einer langen Kette von Schläuchen, damit andere Hydranten zum Beispiel am E-Center und zusätzlich sogar der eigens aufzustauende Bolldammbach angezapft werden konnten.

Schoss das Wasser schließlich von allen Seiten aus den Löschrohren , war nicht nur das eigentlich brennende Haus, sondern auch die umliegenden Gebäude permanent zur Kühlung zu besprühen. Bei Funkenflug sollten diese nicht auch noch in Brand geraten. Insgesamt 55 Feuerwehrkräfte waren mittlerweile im Einsatz.

Die Fantasie der Feuerwehr-Chefs war hier jedoch immer noch nicht am Ende. Nach einer halben Stunde kam die Feststellung: das Gebäude ist einsturzgefährdet. Das holte schließlich Bürgermeister Klaus Rieke und Jens Stellenbrink, an diesem Wochenende dienstbereiter Mitarbeiter in der Rathausverwaltung, ebenso unvorbereitet aus dem Bett.

Insgesamt zog Tomann nach mehr als einer Stunde Übung eine positive Bilanz: "Tadellos - so habe ich es mir vorgestellt." Allerdings seien die drei Löschgruppen Enger-Nord und Westerenger von der Leitstelle aus nicht komplett alarmiert worden: "Da liegt offenbar noch ein Fehler im System. Gut, dass wir das durch diese Übung jetzt wissen."


Inklusive Rückzug und Herrichten der Fahrzeuge dauerte der komplette Einsatz der freiwilligen Feuerwehr mehr als vier Stunden. Manche hatten am Abend dann auch noch ihre Jahreshauptversammlung. Sie wachten für die Feuerwehr auf und gingen mit ihr in den Gedanken wieder ins Bett. "So soll es auch sein", schmunzelte Tomann.

"Schade, dass heute keine Schule ist, dann wäre hier so richtig was los an dieser Kreuzung", frozzelten die Männer am kalten Morgen im leichten Nieselregen. Zurück in den Gerätehäusern gabs dann den ersten heißen Kaffee zum leicht verspäteten Auftakt des Wochenendes.

 

2006-01-23 1

Um die früh aufgestandenen Kameraden nicht noch zusätzlich von oben nass zu machen, wurden für das Löschrohr am Korb der Drehleiter zwar Schläuche verlegt, Wasser floss aber nicht. Während dessen besprühten Einsatzkräfte das in der Fantasie brennende Gebäude (rechts) und kühlten das Nachbarhaus.