Aktuelle News und Presseberichte des Löschzuges Enger-Mitte

Hier finden Sie aktuelle News vom und Presseberichte über den Löschzug Enger-Mitte als Blog aufgelistet.

An dieser Stelle geht ein besonderer Dank an die Neue Westfälische (Kürzel nw) und das Westfalen-Blatt (Kürzel wb) für die Presseberichte und die gute Zusammenarbeit. Vielen Dank!

letzter Einsatz

26.05.2017 
Brand eines Baumstumpfes 

nächster Dienst

nächster Termin



Eigentlich sind Wespen friedlich: Die Feuerwehr hilft bei der Entfernung der schw.-gelb-gestreiften Flieger

nw 05.08.2006

Enger/Spenge. Kaum tauchen diese kleinen schwarz-gelb-gestreiften Flieger auf, fangen viele Menschen an, hektisch um sich zu schlagen. Das ist die falsche Reaktion! Umkreist eine Wespe den Menschen oder das leckere Stück Zwetschgenkuchen, dann ist sie zunächst nur auf Erkundungsflug zur Nahrungssuche. Angriffsflüge sind dagegen gerade und zielstrebig. Schlägt der verschreckte Mensch nun nach der Wespe fühlt sie sich angegriffen. Ihr Flügelschlag verändert sich und sie scheidet Alarm-Pheromone aus - Botenstoffe, die sofort verteidigungsbereite Artgenossen auf den Plan rufen. Ganz schön clever, diese fliegenden Stachel.

Besser wäre, cool zu bleiben, die Wespe höchstens mit langsamen Bewegungen zu verscheuchen. Dann bleibt man in der Regel von Stichen verschont.

Bei der Ernährung bevorzugen Wespen süße Säfte. Neben Pflanzensaft mag die moderne Wespe auch Softdrinks - sehr zum Ärger der menschlichen Nahrungskonkurrenten. Ausgewachsene Wespen nehmen keine feste Nahrung zu sich. Einzig die Larven werden damit versorgt. Sie bemommen auch tierische Kost: Wanzen, Läuse oder Schaben. Eigentlich machen sich die Wespen also als Schädlingsbekämpfer nützlich.

Wenn die Wespen zur Zeit verstärkt ins Bewusstsein des belästigten Menschen rücken, läuft die Staatenbildung und Vermehrung auf Hochtouren. Meist legen die Königinnen Ende April schon den Grundstock für ihr Volk. "So ein Wespennest kann die Größe von einem Handball haben, aber auch so groß wie ein Petziball werden", sagt Heinz-Jürgen Tomann, Leiter der Engeraner Feuerwehr.

"In Westerenger haben wir auch schon ein Nest unter Dachziegeln entfernt, das hatte eine Ausdehnung von mindestens einem Quadratmeter und eine Tiefe von rund 12 Zentimetern", erzählt er weiter. Daneben gibt es noch die Erdwespen, die ihren Hofstaat gerne in Mauselöchern bauen. "Die sind schwierig auszuheben, da das eigentliche Nest oftmals noch meterweit vom Eingang entfernt in dem unterirdischen Labyrinth gebaut wurde", erklärt Arndt Wolfgang Höpker, einer der Spezialisten für die Entfernung der Wespennester bei der Feuerwehr.

Wendet sich ein Bürger in Enger an das Umweltamt der Stadt, um Rat in Sachen Wespennest einzuholen, wird er direkt an den Leiter der Feuerwehr verwiesen. In einem Beratungsgespräch klären er oder seine Kollegen, ob es sich lohnt, das Nest zu entfernen. "Manchmal schützt auch schon ein Fliegengitter. Ist das Nest an einer entfernten Stelle im Garten, kann man einfach Abstand halten. Im Eingangsbereich oder wenn Kinder da sind, sollte aber man schon etwas unternehmen", rät Höpker.

15 bis zwanzig Nester entfernen die Feuerwehrleute pro Saison. "Früher waren es 50 bis hundert. Aber da war es auch noch kostenlos", sagt Tomann. Heute richten sich die Kosten nach dem Aufwand. "Je nachdem wie viele Leute und welche Ausrüstung erforderlich ist, kostet ein Einsatz zwischen 80 und 150 Euro", sagt Tomann. Die Gebühren legt jede Gemeinde selber fest. In Spenge kostet ein Wespeneinsatz pauschal zwanzig Euro. Das Entfernen der Nester gehört nicht zu den Pflichtaufgaben der Feuerwehr. In Herford beispielsweise kümmert sich die Feuerwehr nicht mehr darum. Dort muss man den Kammerjäger anrufen.

Wenn es möglich ist, das Nest zu erhalten, werden die Wespen nicht vergiftet, sondern umgesiedelt. Mit Hilfe von langen Schaschlikstäben wird das Nest abgehängt und in eine Tonne gesteckt. Dann wird es in einem möglichst abgelegenen Gebüsch oder Baum wieder aufgehängt. "Die Larven müssen mit dem Kopf nach unten hängen, sonst sterben sie ab", erklärt Tomann. "Die Arbeiterinnen merken, das mit dem Nest etwas nicht stimmt, und befestigen es wieder an seinem neuen Platz."

Vier der Feuerwehrleute in Enger haben eine Schulung mitgemacht, um die Insekten fachgerecht außer Gefecht zu setzen oder umzusiedeln. Arndt Höpker hat den Umgang mit den Wespen von einem älteren Kollegen gelernt. Seit acht Jahren ist der 29-Jährige nun schon Wespenspezialist.

Keine leichte Arbeit an heißen Tagen. Und dass, obwohl es dann schon Abend ist. Die Wespeneinsätze finden erst nach zwanzig Uhr statt, damit möglichst viele der Arbeitswespen schon wieder im Nest sind. Feuerwehrstiefel, lange Hose, T-Shirt und darüber einen weißen Schutzanzug, Imkerhut und Schutzhandschuhe. "Eigentlich müsste der Anzug nach jedem Einsatz gewaschen werden, weil die Wespen ihren Alarm-Botenstoff darauf absetzten", erklärt Arndt Höpker, während er nach einem Erdwespennest gräbt.

Keinesfalls sollte man versuchen ein Nest selber, womöglich noch ohne Schutzausrüstung zu entfernen. Abstand halten ist der sicherste Tipp für ein friedliches Zusammenleben. Keine Erschütterungen in Nestnähe, kein Versperren der Einflugschneise, keine langen Aufenthalte vor dem Nest.

Registrieren die Wespen einen vermeintlich großen Fressfeind direkt am Wespennest, reagieren sie entsprechend aggressiv. Weiße, grüne und beige Kleidung beruhigt die Insekten. Aber sie fliegen im wahrsten Sinne des Wortes auf alles was rot, gelb, dunkel oder bunt ist.

Heute findet Arndt Höpker nicht den eigentlichen Wespenbau im Boden. Also schüttet er das Grabeloch wieder zu und tritt es fest. Die herumschwirrenden Flieger werden mit Insektisil außer Gefecht gesetzt. "Keine Gefahr für Haustiere oder andere Tiere", beruhigt Höpker. Dann schält er sich wieder aus dem weißen Anzug.

 

2006-08-05 1

Arndt Höpker legt seinen Schutzanzug, Handschuhe und den Imkerhut an, bevor er ein Wespennest untersucht.

 

TEXT: carola ritterhoff | Foto: carola ritterhoff | QUELLE: Neue Westfälische