Aktuelle News und Presseberichte des Löschzuges Dreyen

Hier finden Sie aktuelle News vom und Presseberichte über den Löschzug Dreyen als Blog aufgelistet.

An dieser Stelle geht ein besonderer Dank an die Neue Westfälische (Kürzel nw) und das Westfalen-Blatt (Kürzel wb) für die Presseberichte und die gute Zusammenarbeit. Vielen Dank!

letzter Einsatz

24.06.2017 
Brand einer Gartenhütte 

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Skurriles Dorftheater

NW 28.08.2012

Dreyen gibt sich verwunschen und bunt / Von Widukind, Fabelwesen und Trecker-Ballett. Enger-Dreyen. Der Bauernhof Kleineberg, genau auf der Grenze von Dreyen zu Siele: Autos stehen in Reihen auf einem abgemähten Feld, 250 Menschen tummeln sich auf dem Hof und in der Scheune.

Sitzreihen aus Strohballen säumen die Wiese hinter dem Hof, die ersten Gäste warten schon gespannt. Dass gleich historische Schlachten, tanzende wilde Hühner und ein Live-Feuerwehreinsatz anstehen, ahnt wohl niemand.
Die knapp zweistündige Inszenierung des Bielefelder Theaterlabors heißt "Marktplatz der Geschichten". Es soll um Geschichte und Geschichten aus Dreyen gehen, um historische Ereignisse und legendäre Anekdoten.

"Das Stück ist aus dem Dorf heraus entstanden", erklärt Regisseur Sigmar Schröder. Im letzten Jahr haben er und sein Ensemble Geschichten aus dem Ort gesammelt, jetzt sollen diese erzählt und inszeniert werden.

Es beginnt im dunkelsten Mittelalter, im Jahr 785, mit der Schlacht zwischen Karl dem Großen und dem Engeraner Vorzeige-Sachsen Widukind.

Von links betreten Schauspieler - verkleidet als fränkische Ritter - die Wiese, die für die nächsten Stunden als Bühne fungiert. Karl ist dank seiner absurd langen Stelzen eindeutig als "der Große" zu identifizieren. Ihm gegenüber der nicht minder überproportionierter Sachsenherzog: Schwerter kreuzen sich, Funken sprühen, schließlich fällt Widukind.

In Stationen wird die Geschichte des Dorfes, das damals noch Treine hieß, bis zur Industrialisierung erzählt: In Lumpen gekleidet und mit leerem Blick wanken die als Bauern verkleidete Schauspieler über die Wiese, eine Frau fällt kraftlos in die Arme ihres Mannes - auch die schrecklichen Hungersnöte der Bauern werden nicht ausgespart. Der Erfindung des Traktors, der das Leben der Landwirte so viel leichter machte, wird mit einem Trecker-Ballett Respekt gezollt: Zu einer Wagner-Oper fahren die Fahrzeuge eine Choreographie.

Kernstück der Inszenierung bilden aber die witzigen Anekdoten aus jüngerer Zeit: Zum Beispiel jene von Bauer Rainhard Storck, der einem etwas dilettantischen SEK-Kommando bei seinem Übungseinsatz unter die Arme griff. Dass man einen Traktoranhänger als trojanisches Pferd zwecks Geiselbefreiung nutzen kann, auf die Idee kam nämlich nur er: Zum Glück war die Geiselnahme damals nur ein Übungsszenario.

Nachdem Storck die Geschichte vor dem Publikum erzählt hat, setzen die Schauspieler das Berichtete witzig und überdreht in Szene: Tollpatschige Polizisten treten sich beim Beschatten eines Hauses gegenseitig auf die Füße, der vermeintliche Geiselnehmer und sein Opfer vertreiben sich derweil die Zeit beim Mau-Mau-Spiel.
Eine Woche haben Theaterleute und Dreyener Hobbyschauspieler geprobt, aber selbst den teilnehmenden Dreyenern war mindestens eine Überraschung nicht bekannt: Eine Hütte, die einzige Requisite auf der Wiese , fängt Flammen. "Ich ruf mal lieber die Feuerwehr", sagt der Moderator der Inszenierung lapidar. Dann - tatsächlich - am Horizont: Blaulicht. Danach die Sirene. Die Dreyener freiwillige Feuerwehr nimmt samt Einsatzwagen am Stück teil.

Den Abschluss der Inszenierung bildet ein bildgewaltiges Verwirrspiel: Zauberer, Drachen und andere Märchengestalten schlendern über die Wiese, Leuchtkörper schleudern in die Luft, andere Schauspieler reiten auf als Fabelwesen verkleideten Kollegen. "Dreyen ist ein verwunschenes Dorf", erklärt Sigmar Schröder den furiosen Abschluss: "Wer weiß, welche wundersamen Geschichten es hier noch so zu erzählen gibt."

Fotstrecke der NW: 27.08.2012: Dorftheater in Dreyen

VON DOMINIK LENZE | QUELLE: Neue Westfälische